Die digitale Dividende

Durch die Umstellung des terrestrischen Fernsehens auf digitale Technik wurden große Frequenzbereiche frei, die sogenannte Digitale Dividende.

Nur noch zehn Prozent der ursprünglich notwendigen Frequenzen werden heutzutage vom Fernsehen beansprucht. Der Rest kann nun für andere Nutzungsbereiche wie zum Beispiel Mobilfunk verwendet werden. Die Frequenzbänder zwischen 790 und 862 Megahertz wurden im Mai 2010 von der Bundesnetzagentur versteigert, um den ländlichen Bereich mit schnellem Internet zu erreichen. Da der Ausbau von kabelgebundenem DSL in vielen dünn besiedelten Gebieten für Netzbetreiber unrentabel ist, sollen nun die Frequenzen der digitalen Dividende genutzt werden, um hier alle Bürger zu erreichen.

Höhere Reichweite der 800-MHz-Bänder

Die Bundesregierung hat dazu eine Breitbandinitiative ins Leben gerufen, um jedem Bundesbürger Breitbandzugang zum Internet zu ermöglichen. Erst wenn die ländlichen Gebiete auf diese Weise versorgt sind, darf der Ausbau von LTE in den großen Städten und Ballungsräumen beginnen.

Die Frequenzen der digitalen Dividende sind äußerst beliebt bei den Netzbetreibern. Sender im Frequenzbereich um 800 MHz haben eine größere Reichweite als Sender zum Beispiel im 2,6-Gigahertz-Bereich. Nach Angaben von Experten hat eine LTE-Funkzelle, die auf 800 Megahertz arbeitet im Durchschnitt einen Durchmesser von sechs Kilometern, eine LTE-Funkzelle mit 2600 Megahertz durchschnittlich einen Durchmesser 600 Metern. Dies liegt an den physikalischen Ausbreitungseigenschaften der Funkwellen.

Der Ausbau kann beginnen

Die Bundesnetzagentur versteigerte im Mai 2010 die Frequenzen der digitalen Dividende. Die drei großen deutschen Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica-O2 konnten dabei je zwei Blöcke ersteigern. Ende August 2010 erst wurden die Blöcke konkret zugewiesen. Bei der Frequenzauktion im Mai hatten die Netzbetreiber lediglich auf Kapazitäten geboten.

Nur ein Block wurde konkret versteigert. Dieser erste Block, der in direkter Nachbarschaft zu TV-Kanälen liegt, wurde von Telefónica-O2 erworben. Nun wurde dem Unternehmen der nächstliegende Block zugewiesen. Die Telekom und Vodafone erhielten je zwei Blöcke per Losverfahren zugeordnet.

„Da nunmehr alle versteigerten Frequenzblöcke zugeordnet sind, liegt die schnelle Breitbandversorgung auch auf dem Land jetzt in den Händen der Unternehmen. Die Netzbetreiber können nun ihre Netzplanung konkretisieren und ihre Netze zügig auf- und ausbauen“, so Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur gegenüber dem Internetmagazin heise.de. Bis Ende des Jahres 2010 sollen alle deutschen Haushalte mit mindestens einem Megabit pro Sekunde im Internet surfen können, zumindest wenn es nach der Bundesregierung geht.

Mobiles schnelles Internet in ganz Europa

Die Verwertung der digitalen Dividende ist nicht nur ein Anliegen der deutschen Bundesregierung. Auch die Europäische Union sieht darin einen entscheidenden Schritt hin zur flächendeckenden Versorgung mit Breitbandinternet. Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, betonte im Mai 2010 die Wichtigkeit eines koordinierten Ausbaus der europäischen Netze. Bis 2015 soll nach Wunsch der EU-Kommissarin das 800-MHz-Spektrum europaweit freigegeben sein für schnelle Datenfunknetze wie LTE.

Nicht nur der Zugang aller Europäer zu schnellem, mobilem Internet soll durch die koordinierte Verwendung der digitalen Dividende erreicht werden. Auf diese Weise soll auch ein europäischer Binnenmarkt erschaffen werden. Momentan sei der europäische Markt noch fragmentiert und von Grenze durchzogen. Wenn es gelingt, die Funknetze zu synchronisieren, können EU-Bürger in kommenden Jahren grenzübergreifend auf mobile Medieninhalte und mobile Dienstleistungen  zugreifen.

Die Ziele der EU-Breitband-Politik formuliert Neelie Kroes wie folgt: Bis 2013 soll jeder EU-Bürger über Breitbandinternet verfügen können und bis 2020 soll die Mindest-Geschwindigkeit bei 30 Mbit/s liegen.