LTE-Telefonie

Mit LTE soll ein Mobilfunknetz aufgebaut werden, das vollständig auf der Basis des Internet-Protokolls funktioniert, im technischen Deutsch ein IP-basiertes Netz.

Allerdings arbeitet eine der wichtigsten Dienstleistungen in GSM- und UMTS-Netzen, nämlich die Sprachtelefonie, nicht nach IP-Verfahren – sie wird leitungsgebunden übertragen. Für LTE bieten sich für Telefonie drei Lösungen an: Erstens man strebt eine IP-basierte Lösung  an, die im Prinzip wie die Internet-Telefonie funktioniert. Zweitens man nutzt als Zwischenlösung für die Sprachübertragung erst einmal die bestehenden GSM und UMTS-Netze. Dann kann der Nutzer per LTE surfen, telefonieren wird er per GSM oder UMTS. Drittens man wandelt das leitungsgebundene Gespräch in einer eigens einzurichtenden Zwischenstation des Mobilfunknetzes  so um, dass es von einem IP-Netz übertragen werden kann – das VoLGA-Verfahren. Doch es wird noch einige Zeit dauern, bis in Deutschland per LTE telefoniert wird: „Zunächst werden diese Netze für Daten- und Internet-Services genutzt. Es gibt keine Anzeichen, dass die Hersteller im nächsten Jahr LTE-Handys auf den Markt bringen“ sagte Vodafone-Chef Fritz Joussen Ende August 2010 in einem Interview mit der Tageszeitung „Welt“.

Die Internet-Telefonie

Beim ersten Verfahren wird das Telefonat über das sogenannte IP Multimedia Subsystem (IMS) geführt). Wie bei der Internet-Telefonie werden die Sprach-Verbindungen zwischen Teilnehmern per Voice over IP gehalten. IMS wird als zukunftsträchtigste Möglichkeit angesehen, LTE-Telefonie zu realisieren, da sie den Grundgedanken eines reinen IP-Mobilfunknetzes, auf das aus unterschiedlichen Netzen zugegriffen werden kann  konsequent umsetzt. Es gilt jedoch unter Experten als technisch aufwändigstes Verfahren.

Circuit Switched Fallback

Ein weiteres Verfahren, das aber nur als Übergangslösung betrachtet wird, ist CS Fallback (Circuit Switched Fallback). Es könnte angewandt werden, bis sich endgültig Voice over IP in LTE-Netzen durchgesetzt hat. Beim CS Fallback werden weiterhin GSM- beziehungsweise UMTS-Netze genutzt, um leitungsgebundene Sprachverbindungen herzustellen. Erhält man einen Anruf, wechselt man in ein GSM/UMTS-Netz und kommuniziert darüber.

Probleme entstehen vor allem durch die relativ langen Verbindungszeiten, die durch den Netzwechsel hervorgerufen werden. Auch wird unter Umständen eine Datenverbindung getrennt, die gerade im LTE-Netz besteht. Gerade bei multitasking-fähigen Smartphones dürfte dies zu einem starken Argument gegen CS Fallback werden.

Voice over LTE via GAN

Im März 2009 schloss sich eine Reihe von Unternehmen der Mobilfunkbranche zum Volga-Forum zusammen, um die Volga-Technologie zu entwickeln und zu verbreiten. Unter den 19 Mitgliedern des Volga-Forums sind unter anderem die Deutsche Telekom, Alcatel-Lucent, Huawei, Kineto und Samsung. Dazu muss im Mobilfunknetz ein Volga Access Network Controller (VANC) installiert werden. Dieser gehört nicht zum Kern-Netzwerk sondern zum Funknetzwerk und stellt die IP-Verbindung zum Kernnetzwerk her.

Durch die Volga-Technologie ist es nicht nötig, für die Sprachverbindung vom LTE-Netz zu einem GSM- oder UMTS-Netz zu wechseln. Allerdings ist ein Wechsel auf 2G/3G-Netze möglich, wenn man ein LTE-Netz verlässt. Volga unterstützt ankommende und abgehende Gespräche und SMS-Funktionen zwischen LTE-fähigen Endgeräten und Standard-Mobiltelefonen sowie Festnetzanschlüssen. Im Dezember 2009 hat die Deutsche Telekom in Zusammenarbeit mit Kineto Wireless und Alcatel-Lucent die weltweit ersten Anrufe über LTE mit der Volga-Technologie demonstriert.