28.02.2017

Prepaid-SIMs: Ausweispflicht kommt

Ab dem 1. Juli 2017 gilt Ausweispflicht beim Erwerb einer Prepaid-SIM-Karte in Deutschland. Diese Neuerung hatte die Bundesregierung im vergangenen Jahr beschlossen. Das verschärfte Recht soll es Terroristen erschweren, über Prepaid-Simkarten mit dem Smartphone zu kommunizieren, ohne dabei ihre Identität preiszugeben.

Das Ende des flexiblen Prepaid-Sim-Card-Kaufs

Der Beschluss wird den deutschen Telekommunikationsmarkt nachhaltig beeinflussen, glauben Branchenkenner. Insbesondere kleinere Online-Händler von Prepaid-Handy-Tarifen könnten bald vor dem Aus stehen. Die Prüfung der Identität des Prepaid-Nutzers ist aufwändig und verursacht höhere Kosten für die Mobilfunkanbieter. Die Verifizierung für Online-Kunden ist kompliziert, hier wird noch nach einem Weg zur Identitätsprüfung gesucht.

Die Neuregelung betrifft aber auch Handelsketten wie Lidl, Kaufland oder Edeka, die eigene Prepaid-Sim Cards in ihren Ladengeschäften verkaufen. Eine Verifizierung und Freischaltung an der Kasse würde das Personal überfordern, die Kassenkräfte müssten hierfür extra geschult werden. Für die Verbraucher bedeutet das: den flexiblen Kauf einer Prepaid-SIM-Simcard für das Mobiltelefon wird es ab 1. Juli nicht mehr geben. Wie bei Vertragstarifen wird sich der Kunde in Zukunft auch beim Kauf eines Prepaid-Mobiltelefon-Tarifes ausweisen und persönliche Daten preisgeben müssen.

Möglichkeiten zur Identitätsprüfung bei Prepaid-SIMs

Für die Verifizierung und Freischaltung einer Prepaid-SIM-Karte kommen verschiedene Möglichkeiten in Frage: Mobilfunkanbieter mit einem großen Filialnetz wie die Telekom, Vodafone oder mobilcom-debitel werden diesen Service voraussichtlich über ihre Shops anbieten. Wie Branchenkenner voraussagen, wird sich das Prepaid-Prepaid-SIM-Geschäft dadurch zunächst wieder in die Mobilfunk-Shops verlagern.

Ein möglicher Weg für Online-Kunden ist die Einführung einer Video-Identifizierung im Rahmen des Bestellprozesses. Auch die Deutsche Post ist als Dienstleister für die Freischaltung von Prepaid-Simcards im Gespräch, da sie bereits ein Post-Ident-Verfahren für die Kontoeröffnung von Kreditinstituten anbietet. Die Prüfung der Identität des Nutzers durch die Post ist online mittels Video-Chat, Foto oder den neuen Personalausweis möglich; die Offline-Verifizierung kann über eine Postfiliale oder einen Postboten erfolgen.  Allerdings ist dieser Service für den Anbieter sehr teuer.

Ausweispflicht für Simkarten ohne Vertrag gilt zunächst nur in Deutschland

Der neue Paragraf 111 des Telekommunikationsgesetzes soll die Sicherheitslage verbessern, indem es Terroristen erschwert wird, anonym Prepaid-SIM-Karten für das Handy zu kaufen und nutzen. Wie inzwischen bekannt wurde, hatte die Terrororganisation IS tausende Prepaid-Sim Cards der ungarischen Magyar Telekom erworben. Die Attentäter von Paris und Brüssel nutzen diese anonymen Handy-SIM-Karten zur Kommunikation. Mit dem verschärften Gesetz will die Bundesregierung die anonyme Kommunikation von Terrorgruppen und Kriminellen erschweren. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass die neue Regelung zunächst nur in Deutschland gelte und nicht auf EU-Ebene. So sei es weiterhin möglich, in Nachbarländern wie Österreich oder Holland anonym Prepaid-Sim Cards zu  nutzen. Die Verschärfung hat zunächst wohl hauptsächlich Auswirkungen auf die deutschen Verbraucher und den nationalen Mobilfunkmarkt.

Autor: RN