800-Megahertz-LTE: Deutschland hat es, Europa will es

Schneller Mobilfunk auf dem 800-Megahertz-Band: Deutschland baut ihn gerade mit LTE auf, das restliche Europa soll irgendwann nachziehen. So sieht es jedenfalls die EU in Brüssel.

Die Chancen stehen gut, in mehreren EU-Ländern werden durch die Umstellung vom analogen auf digitales Fernsehen Frequenzen im 800-Megahertz-Band frei.

Wenige Basisstationen für dünn besiedelte Gebiete

In Deutschland sicherten sich Telekom Deutschland, Vodafone und O2 jeweils zwei gepaarte Frequenzblöcke im 800 Megahertz-Bereich. Solche niedrigen Frequenzen gelten als ideal für die Versorgung von ländlichen Regionen und Gebieten mit kleinen Städten, da sie eine gute Übertragungskapazität und eine vergleichsweise hohe Reichweite haben – man kann also mit einem Sendemast eine größere Fläche abdecken als mit höheren Frequenzen. In bebauten Gegenden ist außerdem die Durchdringung von Gebäuden  sehr gut.

Nutzt ein Mobilfunkbetreiber Frequenzen in diesem Bereich, braucht er deutlich weniger Basisstationen, um Deutschland flächendeckend mit LTE zu versorgen. Der erste deutsche LTE-Sendemast in der brandenburgischen Provinzstadt Kyritz hat beispielsweise einen Senderadius von zehn. Nach Angaben von Experten hat eine LTE-Funkzelle die auf 800 Megahertz arbeitet im Durchschnitt einen Durchmesser von sechs Kilometern, eine LTE-Funkzelle mit 2600 Megahertz durchschnittlich einen Durchmesser 600 Metern.

Im 800-Megahertz-Frequenzband steht in Deutschland pro Betreiber jeweils eine Kanalbandbreite von zehn Megahertz zur Verfügung, sie werden wohl vor allen Dingen auf dem flachen Lande genutzt, um Gemeinden ohne schnelle Internetversorgung in den Genuss des Hochgeschwindigkeits-Surfens zu bringen. Wegen der guten Gebäudedurchdringung gibt es bei Vodafone Überlegungen, diese Frequenz auch in Städten einzusetzen.

Ein Kanal von zehn Megahertz sorgt für langsameres LTE

Auf der 800-Megahertz-Frequenz stehen in Deutschland für die Mobilfunkbetreiber nur 10 Megahertz breite Funkkanäle zur Verfügung. Experten gehen davon aus, dass damit die  oft zitierten Übertragungsgeschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde  (Mbit/s) beim Empfangen von Daten (Download) und 50 Mbit/s beim Senden (Upload) nicht möglich sind. Dazu wären Bandbreiten von jeweils 20 Megahertz vonnöten.

EU will 800-Megahertz-Band europaweit für schnellen Mobilfunk nutzen

Die Europäische Union macht Anstalten, das 800-Megahertz-Band europaweit als neue  Mobilfunkfrequenz zu etablieren. „Die Kommission unterstützt die Nutzung des (derzeit in den meisten Mitgliedstaaten vom Rundfunk belegten) Frequenzbandes zwischen 790 und 862 Megahertz für elektronische Kommunikationsdienste nachdrücklich. Sie befürwortet ein rasches Handeln der EU-Staaten, da eine koordinierte Bewirtschaftung dieser Frequenzen der europäischen Wirtschaft Impulse in einer Größenordnung von bis zu 44 Milliarden Euro geben könnte“ heißt es in einer Presseerklärung.

Nach einem Beschluss der Kommission vom Mai 2010 sollten alle Mitgliedstaaten, die den Frequenzbereich 790-862 Megahertz (das so genannte 800-MHz-Band) für andere Dienste als Rundfunk verfügbar machen wollen, dafür sorgen, „dass im 800-MHz-Band betriebene Funkausrüstungen wie Mobiltelefone oder Basisstationen effizient für drahtlose Breitbandanwendungen wie den Mobilfunk der 4. Generation (zum Beispiel LTE oder Wimax) genutzt werden können“.

Die Vize-Präsidentin der Europäischen Kommission Neelie Kroes,  zuständig für die Digitale Agenda der Gemeinschaft forderte im Juni 2010 , diese Frequenz bis spätestens 2015 in allen EU-Ländern für schnelle Datenübertragung per Funk freizugeben.